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Moderne Diagnose-Verfahren für Frühchen

Als Wilhelm Conrad Röntgen im Jahr 1895 die nach ihm benannten Röntgenstrahlen entdeckte, galt es als Sensation: Zum ersten Mal war es möglich, in den Körper zu schauen, ohne ihn vorher aufzuschneiden.

von Gabriele Hellwig

Als Wilhelm Conrad Röntgen im Jahr 1895 die nach ihm benannten Röntgenstrahlen entdeckte, galt es als Sensation: Zum ersten Mal war es möglich, in den Körper zu schauen, ohne ihn vorher aufzuschneiden. 1901 erhielt der deutsche Physiker dafür einen Nobelpreis für Physik. Mittlerweile haben Ärzte die Qual der Wahl. Auch für Frühgeborene gibt es inzwischen hervorragende Möglichkeiten der bildgebenden Diagnostik. So können Krankheiten und bedrohliche Situationen zeitiger und besser erkannt und schneller behandelt werden. Dies verbessert die Entwicklungschancen der Frühgeborenen.

1. Im speziellen Inkubator in den MRT
Kinder- und Jugendärzte schwören auf die Magnetresonanz-Tomographie (MRT). Sie ist strahlungsfrei und liefert sehr detaillierte Bilder des Körpers. Früher war es nahezu unmöglich, Frühgeborene im MRT zu untersuchen. Denn in der Regel sind diese auf den besonderen Schutz eines Inkubators angewiesen und sollten diesen nicht verlassen. Prof. Dr. Hans-Joachim Mentzel, Leiter der Sektion Kinderradiologie am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Universitätsklinikum Jena: „Mit der neuen Generation der MRT konnte diese Lücke in der Kinderradiologie geschlossen werden.“ Denn es gibt jetzt einen MR-tauglichen Inkubator. Mit diesem können Frühgeborene direkt in das MRT-Gerät geschoben werden. Für eine sehr gute Bildqualität sorgen die integrierten MR-Spulen wie die Mehrkanal-Kopfspule und die Körperspule.
Das Kind kann bereits auf der neonatologischen Intensivstation mit der entsprechenden Spule im MR-Inkubator platziert werden – ein aufwändiges Umlagern in der MR-Abteilung entfällt. Während der gesamten Untersuchung liegen die Kleinen geschützt in dem MR-Inkubator. „Alle Strukturen des Hirns können mittels MRT erfasst werden – Hirnparenchym und Gefäße können exakt beurteilt werden. Aussagen zum Stoffwechsel und zur Hirnreifung sind unter Einsatz neuer MR-Techniken möglich“, freut sich Prof. Mentzel.

2. Hochauflösende Sonden für den Ultraschall
Ultraschall-Untersuchungen von Frühchen sind heute im Inkubator auf der Intensivstation jederzeit möglich. Das Gute: Das räumliche Auflösungsvermögen der modernen Ultraschallsysteme wird immer besser. Hochauflösende Sonden von 14 – 20 MHz liefern heute exzellente Bilder von oberflächlich liegenden Organen und Körperteilen dieser kleinsten Patienten. Somit können Bilder erzeugt werden, die histologischen Schnitten vergleichbar sind. „Bei Früh- und Neugeborenen kann zum Beispiel das Gehirn mit dem Rückenmark, aber auch die parenchymatösen Organe des Bauchraums wie Nieren und Leber besser dargestellt werden“, erläutert Prof. Mentzel. Auch Notfallsituationen in der Neonatologie wie der Nachweis von freier Luft bei einer Darmperforation sind hervorragend zu erkennen.

3. Elastographie
Die Elastographie ist eine neue technische Entwicklung in der Ultraschalldiagnostik. Dieses Verfahren bildet die elastischen Eigenschaften von Geweben ab: Man berechnet kleine Verschiebungen in aufeinander folgenden Ultraschallaufnahmen, die man unter verschiedenen Gewebekompressionen aufnimmt. Harte Gewebebereiche verformen sich unter Druck nicht so stark wie weiche. Am „Elastogramm“ lassen sich diese Unterschiede verdeutlichen und Veränderungen frühzeitig erkennen. So kann man zum Beispiel Tumore, die ein eher hartes Gewebe haben, gut diagnostizieren. „Die Elastographie hat sich bei Kindern vor allem bei Patienten mit chronischen Lebererkrankungen etabliert. Diese entwickeln sich als Folge von angeborenen Stoffwechselerkrankungen wie dem
Morbus Wilson oder chronischen Erkrankungen wie der Mukoviszidose sowie angeborener Veränderungen
der Gallenwege“, erläutert Prof. Mentzel.

4. Moderne Scanner für die Computertomographie
Moderne CT-Scanner haben jetzt eine Rotationszeit von Röhre und Detektoren von weniger als einer halben Sekunde. Das bedeutet, dass viel schneller Bilder aufgenommen und auch größere Körperregionen schnell untersucht werden können. Eventuelle Bewegungen von Kindern spielen damit nur noch eine untergeordnete Rolle. „Diese Vorteile helfen beispielsweise bei der Diagnostik von angeborenen Herzfehlern und ermöglichen
scharfe Bilder, auch wenn das Kind nur kurz oder überhaupt nicht die Luft anhalten kann oder sich bewegt“, sagt Prof. Mentzel. Um die hohe Strahlenbelastung beim CT zu reduzieren, wurden spezielle Rekonstruktionsalgorithmen wie die iterativen Techniken für die CT entwickelt. Genutzt werden hierfür Rechenmodelle aus der Mathematik, die zwar schon länger bekannt sind, aber erst mit den jetzt zur Verfügung stehenden leistungsfähigeren Rechnern im Klinikalltag angekommen sind. Prof. Mentzel: „Mit dem neuen Algorithmus lässt sich also die Dosis ohne Qualitätseinbußen deutlich reduzieren. Dies ist besonders für die Untersuchung von Neugeborenen wichtig, die besonders sensibel für die schädigenden Auswirkungen ionisierender
Strahlung sind.“ Die CT werde allerdings in der Neonatologie aufgrund ihrer Strahlenbelastung nur in sehr ausgewählten Einzelfällen eingesetzt, betont Prof. Menzel.

5. Neue Detektoren fürs Röntgen
In der Neonatologie werden Röntgenuntersuchungen wegen der Strahlenbelastung sehr zurückhaltend eingesetzt; sie sind allerdings bei sehr unreifen Frühgeborenen häufig erforderlich, um zum Beispiel die noch unreife Lunge oder den Darm zu beurteilen. Um die Strahlendosisbelastung zu verringern, wurden Detektoren entwickelt, bei deren Verwendung eine geringere Strahlenbelastung erforderlich ist. Für die Neonatologie interessant sind auch mobile Detektoren, mit denen bei gleicher beziehungsweise sogar besserer Bildqualität die Frühgeborenen im Inkubator mit reduzierter Dosis geröntgt werden können.

Frühgeborene 04/2016

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